Bückeburg, 01.11.2020, von Manuel Laeuffer

„G“- wie Gerätekraftwagen (GKW)

Damit die Helfer und ihre Ausstattung auch zur Einsatzstelle kommen, stehen ihnen verschiedenste Fahrzeuge zur Verfügung. Das am weitesten verbreitete Fahrzeug ist der Gerätekraftwagen (GKW). Er gehört zu jeder Bergungsgruppe und ist mindestens einmal in jedem Ortsverband stationiert. Das Fahrzeug hat Platz für bis zu 9 Personen inklusive Fahrer und transportiert die vielseitige Ausstattung der Gruppe.

Der Ortsverband Bückeburg erhielt 2013 einen Mercedes Axor 1829 4x4.Er hat einen 290 PS starken Dieselmotor mit Adblueeinspritzung und Allradantrieb.

Das Gesamtgewicht beträgt 16500 Kilogramm. Das Fahrzeug erreicht eine Höchstgeschwindigkeit von 100 km/h. Mit der eingebauten Seilwinde können im Frontbetrieb Lasten bis zu 5000 kg, im Heckbetrieb Lasten bis zu 10.000 kg bewegt werden. Ersetzt wurde damit ein GKW 72, Daimler Benz LAF 1113 aus dem Jahre 1982.

Die Beladung des GKW ist so vielseitig wie die Aufgaben der Bergungsgruppe.

Angefangen von einfachen Handwerkzeugen für die Bearbeitung von verschiedenen Werkstoffen wie Holz, Metall und Stein über elektrische Geräte wie Bohrhammer und Winkelschleifer bis hin zu pneumatisch betriebenen Luftkissen aus Gummi und dem Mehrzweckzug zum Bewegen von Lasten.

Für den persönlichen Schutz der Helfer werden Schutzbrillen, Auffanggurte und verschiedene Sicherungsleinen mitgeführt. Auch der Einsatz in Bereichen mit Atemgiften wird durch die umluftunabhängigen Atemschutzgeräte möglich, von denen sich 4 Stück auf dem GKW befinden.

Weitere Ausstattung sind unter anderem ein 8kvA Stromerzeuger, zwei Motorsägen, ein benzingetriebener Motortrennschleifer und ein Brennschneidgerät, dass mit einem Sauerstoff-Acetylengemisch betrieben wird. Die dazugehörigen Gasflaschen sind ebenfalls verladen.Für die Elektroverteilung stehen Kabeltrommeln, Verlängerungskabel und Verteilerstücke zur Verfügung.

Die Ausstattung zur Absicherung von Unfallstellen umfasst deinen Satz Pylonen mit Stabblitzern, verschiedene Faltschilder, Absperrband und unterschiedliche Kleinleuchten.

Auch Verbrauchsgüter wie Schrauben, Winkel, Gewindestangen und ähnliches werden mitgeführt. Auf der Werkbank mit Schraubstock, die im Heck des GKW gelagert wird, können die Helfer kleine Reparaturen durchführen.

Auf dem Dach werden vier Steckleiterteile gelagert. Im Dachkoffer befinden sich neben Schaufeln und Besen auch Bolzenschneider und weiteres Langwerkzeug.

Durch die bundesweit einheitliche Fahrzeugnorm des THW sind alle Fahrzeuge (fast) baugleich.  Dadurch würde sich ein THW Helfer aus Flensburg schnell auf einem Gerätekraftwagen aus Rosenheim zurecht finden.

Sie unterscheiden sich lediglich durch unterschiedliche Hersteller der Fahrgestelle und der Aufbauten, sowie durch individuelle Beladungskonzepte auf dem Fahrzeug durch die jeweilige Gruppe.

Die Geschichte des Gerätekraftwagens im THW reicht bis ins Jahr 1970 zurück. Das THW gab 2 Prototypen Mercedes Benz 1113 in Auftrag, die umfangreichen Tests unterzogen und für die Bedürfnisse des THW optimiert wurden. Ab 1972 ersetzten sie die sogenannten Mannschaftskraftwagen (MKW) . Diese Fahrzeuge der Hersteller Borgward, Magirus Deutz oder auch Hanomag hatten 35 Dienstjahre und mehr auf dem Buckel und stammten noch aus der Zeit des Luftschutzhilfsdienst. Die moderneren GKW auf Mercedes Fahrgestell LAF (Lastwagen Allrad Fahrgestell) wurden als Gerätekraftwagen, aber auch als Kipper beim THW betrieben. Ab 1975 wurde parallel zum Mercedes der Magirus Deutz 170 D11 in mehreren Serien ins THW eingeführt. Magirus lieferte diesen LKW bis 1984 an das THW aus. Bis Anfang der 90er Jahre veränderte sich bei den Gerätekraftwagen nur wenig. Bis 1995 wurden immer wieder Fahrzeuge mit verschiedenen Fahrgestellen in kleinen Stückzahlen beschafft. 1997 begann das THW wieder im größeren Umfang neue Gerätekraftwagen in Dienst zu stellen.. Diesmal lieferte Iveco Magirus die Fahrgestelle FF 135 (ab 1997) bwz. FF140 (ab 2003), sowie das Facelift des Eurocargo (ab 2006). Die Aufbauten lieferten die Firmen Ziegler und Lentner, ab 2001 übernahm Magirus die Aufbauherstellung. Die neue Ausschreibung ab 2008 bescherte dem THW neue GKWs, diesmal mit MAN TGM Fahrgestell und Aufbau von Magirus.

Die geplante Dienstzeit eines Fahrzeuges beim THW beträgt rund 25 Jahre.

Text / Foto : Manuel Laeuffer

 

 


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