Bückeburg, 10.01.2022, von M. Laeuffer

"T"- wie Trinkwasseraufbereitung

Es ist auf der Erde das wahrscheinlich wichtigste Element und Lebensmittel. Im Jahr 2019 lag der Pro-Kopf Verbrauch in Deutschland bei rund 125 Litern.

Ob zum Kochen, im Kaffee oder einfach pur, zum Wäsche waschen oder für die Körperpflege, aber auch die Natur braucht es unbedingt – Wasser.

Wie wichtig und wertvoll Wasser ist, merken wir meist allerdings erst, wenn es nicht mehr zur Verfügung steht. Durch Naturkatastrophen zerstörte Infrastruktur, oder  einfach ausgefallene oder kontaminierte Trinkwasserbrunnen können zu einem vorübergehenden Wegfall der Trinkwasserversorgung führen.

Hier hält das Technische Hilfswerk (THW) mit den Experten der Fachgruppen Trinkwasserversorgung (FGr. TW) eine Komponente bereit, die Trinkwasser schnell und in bester Qualität mit ihren Aufbereitungsanlagen bereitstellen können.

Die Spezialisten können mit ihren mobilen Trinkwasseraufbereitungsanlagen (TWAA) bis zu 15000 Liter Wasser pro Stunde herstellen. Dabei wird mit Hilfe der Ultrafiltration das Wasser nach strengen Vorgaben der deutschen Trinkwasserverordnung aufbereitet und geprüft.

Über die Aufbereitung von Trinkwasser hinaus erkundet die Fachgruppe TW übrigens auch Schadengebiete, stellt Schäden fest und führt unaufschiebbare Instandsetzungsarbeiten an den Wasserversorgungsanlagen (in Absprache und Weisung der örtlichen Wasserversorgungsunternehmen) durch.

Außerdem rehabilitiert sie Wasserförderstrecken und Brunnen und wirkt beim Betrieb von Notbrunnen mit.

Das Lagern, Transportieren und Verteilen des Wassers zählt ebenfalls zu den Aufgaben der Gruppe. Zu den weiteren, wesentlichen Tätigkeiten gehört eine ständige Prüfung der Wasserqualität und die Erstellung von Trinkwasseranalysen. Diese Aufgaben werden durch Helfer, die eine Qualifikation zum Wasserlaboranten erlangt haben, durchgeführt. Die eigentliche Qualifikation kann im THW Ausbildungszentrum erworben werden, eine berufliches Vorwissen ist aber unbedingt erforderlich.

Weitere Spezialkenntnisse werden bei der Instandsetzung der Versorgungsleitungen, insbesondere bei der Verschweißung von PE- / PVC Materialen, oder im Bereich Brennschneiden von den entsprechend ausgebildeten THW-Helfern angewandt. Auch die Bedienung der Trinkwasseraufbereitungsanlage erfordert besondere Fähigkeiten. Die Führung und Ausbildung der Helfer obliegt dem Gruppenführer. Diese Qualifikationen können an den Ausbildungszentren erworben werden.

Auf lokaler Ebene können die Helfer zusätzlich einen Führerschein der Klasse C / CE und einen Sanitätshelferschein machen.

Der umfangreichen Ausbildung einerseits, steht umfangreiches Gerät auf der anderen Seite gegenüber.

Herzstück der bundesweit 13 Fachgruppen ist hier die Trinkwasseraufbereitungsanlage (TWAA UF-15) mit einer Leistung von bis zu 15000 Litern fertigem Trinkwasser pro Stunde. Ausgehend von einem Verbrauch von 15 Litern pro Person, kann die Anlage täglich bis zu 20000 Menschen mit Trinkwasser versorgen. Bei Bedarf sind mehrere Anlagen einsetzbar um die Gesamtleistung zu erhöhen. Diese umfangreische Ausstattung ist so verpackt, dass sie jederzeit per LKW und Anhänger zum Einsatzort transportiert werden kann. Jeder Ortsverband mit einer Fachgruppe Trinkwasserversorgung kann seine Anlage auch für einen Einsatz im Ausland zur Verfügung stellen. Im Auftrag der Bundesregierung kann die Schnell-Einsatz-Einheit Wasser Ausland (SEEWA) dann an jedem Ort der Welt Trinkwasser aufbereiten.  Die Abmessungen, sowie das Konzept aus Verpackung und Verlastung sind auf die Standardcontainer LD 3, ein System für den Frachttransport im Luftverkehr, angepasst. Einsatzbeispiele hier sind etwa die Tsunamikatastrophe 2004 in Sri Lanka, die Überschwemmungen 2007 in Afrika oder das Erdbeben auf Haiti 2010. Aber auch in jüngerer Vergangenheit waren die Experten der SEEWA, die sich überwiegend aus Helfern aus den Ortsverbänden zusammen setzen nach Erdbeben, Überschwemmungen oder im Rahmen humanitärer Einsätze unterwegs.

Nach den Starkregenereignissen im Ahrtal leistete das Technische Hilfswerk bereits in den ersten Tagen wichtige Hilfe und bereitete weit mehr als 5.000.000 Liter Trinkwasser auf und verteilte sie in der Bevölkerung. Das THW unterstützte die regionalen Wasserversorger bei der Instandsetzung diverser Versorgungsanlagen und Leitungen.

Bundesweit sind 13 Fachgruppen Trinkwasserversorgung aufgestellt. In Bückeburg befindet sich so eine Fachgruppe nicht. Die drei nächstgelegenen Ortsverbände mit einer Trinkwasseraufbereitung sind OV Lemgo, OV Wolfenbüttel, OV Göttingen.

 

 

Bei der Ultrafiltration mit der UF-15 handelt es sich um eine Filtrationstechnik mit Keramikmembranen aus Monolitblöcken: Trennschichten, die für Stoffe einer gewissen Größe undurchlässig sind. Im Fall der Ultrafiltration werden Partikel ab einer Größe von 0,1 bis 0,2 Mikrometern abgesondert. So können alle Krankheitserreger aus dem Wasser gefiltert werden. Nach der Grob- und Ultrafiltration wird das Wasser mit UV-Licht und mit Chlor desinfiziert und lagerbar gemacht. Zwei Stromerzeuger, Reinwassertanks zur Lagerung und ein Hauswasserwerk zum Anschluss an bestehende Trinkwassernetze runden das Paket TWA UF-15 ab. Der modulare Aufbau ermöglicht auch den Einzelbetrieb der chemischen Vorbehandlung, der Filtrationsstraße, des Reinwasserbehandlungsmoduls oder der Lager- und Verteilsysteme.

 

 

Text: M. Laeuffer

Foto: THW

 

 

 

 


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